Das Netzwerk

Hintergrund

Vietnamesische Migrant*innen bilden mit knapp 27.000 Personen eine der größten nichteuropäischen Migrant*innengruppen in Berlin.

Lange waren Sie in ambulanten, auch migrantengruppenübergreifenden Einrichtungen der psychischen Gesundheitsversorgung Berlins deutlich unterrepräsentiert, jedoch konnte durch gezielte Zusammenarbeit von klinischen und psychosozialen Akteuren und Trägern in den letzten Jahren eine verbesserte Inanspruchnahme psychiatrischer Versorgung und psychosozialer Wiedereingliederungsleistungen erreicht werden. So sind im psychiatrisch-stationären und ambulanten Bereich nicht nur oft chronische Krankheitsverläufe zu beobachten, sondern durch eine frühzeitigere Inanspruchnahme konnten teilweise chronifizierte Verlaufsformen vermieden werden. Dies geschieht nicht nur durch Früherkennung und adäquate kultursensitive Behandlung, sondern auch durch anhaltende Aktivitäten um das Wissen über das psychische Gesundheitsversorgungssystem zu verbessern. Zudem werden proaktiv soziokulturell bedingte Faktoren einer verminderten Inanspruchnahme vorhandener Hilfen adressiert. Damit möchten wir bestimmte Haltungen und Einstellungen, wie z.B. psychische Erkrankungen als Schwäche anzusehen, die mit einem Gesichtsverlust einhergehen könnten, sowie einer möglichen Sorge vor sozialer Diskriminierung, Stigmatisierung und Ausgrenzung entgegenwirken.

Ziele

  • Verbesserung des Zugangs von vietnamesischen Migrant*innen zur psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung durch kultursensible, muttersprachliche und niedrigschwellige Angebote
  • Vernetzung von Akteur*innen
  • Aktivierung von Ressourcen der Migrant*innenselbstorganisationen und weiteren Akteur*innen der vietnamesischen Communities zum Abbau von Stigmatisierung psychischer Erkrankungen
  • Unterstützung bei Fortbildungen und dem Aufbau von Angehörigen und Selbsthilfegruppen
  • Veröffentlichung von Informationen und Angeboten aus dem Netzwerk
  • Schulungen und Weiterbildungen zum Themenbereich kultursensible psychosoziale Versorgung vietnamesischer Migrant*innen über das Netzwerk hinaus

 

Aktivitäten

Seit 2013 veranstalten wir regelmäßige Netzwerktreffen zum fachlichen Austausch, zur Vernetzung und zur Sensibilisierung von Schlüsselpersonen der vietnamesischen Community für psychiatrische Krankheiten.

Folgende thematische Arbeitskreise vertiefen eine träger- und ressortübergreifende Zusammenarbeit:

  • Vietnamesische Mütter mit Depression
  • Chronische Schmerzen mit psychischen Begleiterkrankungen
  • Kinder- und Jugendpsychiatrie
  • Personen mit geistiger Behinderung mit psychischen Störungen
  • Öffentlichkeitsarbeit

 

Erfolge

Auf der Grundlage der vertrauensvollen Zusammenarbeit im Netzwerk entstand eine aufeinander aufbauende Versorgungskette von der Prävention und Beratung in den vietnamesischen Communities über die medizinisch-psychiatrische Diagnostik und Versorgung auf allen Ebenen bis hin zur Nachsorge und Integration von Patient*innen in Angebote der Regelversorgung sowie in die Organisationen der vietnamesischen Communities. (s. Abb.) Die Angebote in allen Einrichtungen im Netzwerk können bei Bedarf in vietnamesischer Sprache bereitgestellt werden.

Kollegiale Fallberatungen und interne Schulungen im Netzwerk sowie ein selbst erarbeitetes deutsch-vietnamesisches Glossar für Fachbegriffe bilden die Grundlagen für eine gute Zusammenarbeit im Netzwerk. Unterstützt wird diese durch die „Übersicht der vietnamesischsprachigen Beratungsstellen und medizinischen Angebote in Berlin“ (-> Link), die ständig aktualisiert und im Netzwerk geteilt wird.